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Projektbeschreibung

Hintergrund

In Zusammenarbeit mit unserer lokalen Partnerorganisation, „National Rural Support Programme of Pakistan“ (NRSP) (Nationales Unterstützungsprogramm für das ländliche Pakistan) beurteilen wir die Auswirkungen verschiedener neuer Kranken- und Unfallversicherungen für arme Haushalte in Pakistan und ermitteln die am besten geeigneten Versicherungsverträge für arme Kund*innen. Diese Forschungserkenntnisse haben außerdem bedeutende Implikationen für Nachbarländer Pakistans.

Dem Ministerium für Gesundheitswesen Pakistans zufolge machen öffentliche Gesundheitsausgaben nur 0.6 % des BIP aus, ein besonders niedriger Anteil auch verglichen mit anderen Ländern. Außerdem stellen gesundheitsbezogene Kosten die größte Risikoquelle des Landes für die Menschen dar, da Eigenanteil-Beträge bei Behandlungen bis zu 60 % betragen können (Ministerium für Gesundheitswesen Pakistans). Auf Grund der eingeschränkten Verfügbarkeit und Leistungen öffentlicher Anbieter, sind Patient*innen gezwungen, teure private medizinische Angebote in Anspruch zu nehmen. Es gibt kein flächendeckendes Krankenkassensystem in Pakistan, dafür verschiedene Einrichtungen, die parallel existieren. In der Summe schätzt man, dass lediglich 1,9 % der Haushalte irgendeine Art von formeller Versicherungsleistung in Anspruch nehmen. Haushalte in prekärer Lebenssituation gehören dabei nicht zur Zielgruppe der Versorger. Sofern es überhaupt eine Sozialversicherung in Pakistan gibt, so ist sie meist nicht in der Lage Verluste auszugleichen. Außerdem erreicht sie nicht die Arbeitenden des informellen Sektors, die einen Großteil der Erwerbstätigen in Pakistan ausmachen. Dadurch werden Krankheiten zu einem bedeutenden ökonomischen Risiko für arme Haushalte. In der Tat verursachen in Entwicklungsländern wie Pakistan hauptsächlich Krankheiten, Sterblichkeit von Familienmitgliedern, Naturkatastrophen, Preisschwankungen und Arbeitslosigkeit starke ökonomische Gefahrenlagen. Ohne angemessene Krankenversicherung könnten Haushalte gezwungen sein, sich in Arbeitsverhältnisse zu begeben, nur um Risiken zu vermeiden und nicht, weil diese Arbeitsverhältnisse gewünscht sind. Auf lange Sicht kann eine fehlende Krankenversicherung dazu führen, dass Haushalte nur noch eingeschränkt arbeiten können, weil sie Krankheiten nicht ausreichend behandeln können.

Evaluation

Innovative Lösungsansätze für Krankenversicherungen werden von Mikrofinanzinstituten ausgestaltet und umgesetzt. Die Lösungsansätze sprechen dabei vor allem bedürftige Haushalte mit geringen Einkommen an. Die Effekte von verschiedenen Variationen des Programms, z.B. Individual-, Haushalts- oder Gruppen-Versicherungsverträgen, werden ausgewertet unter Betrachtung der Effekte der Versicherung auf Arbeitsstunden von Erwachsenen, Kinderarbeit, Schulbesuch und Gesundheitszustand. Die Wirkung wird sowohl hinsichtlich direkter finanzieller Auswirkungen für NRSP untersucht (z.B. Tilgung, Kundenbindung, adverse Selektion, fahrlässiges Verhalten (engl. Moral Hazard)) sowie hinsichtlich der Auswirkungen auf die Haushalte (z.B. Messung sozialer Wirkung). Die große Stichprobe ermöglicht detaillierte Empfehlungen für verschiedene Gruppen: Kleinunternehmende, landwirtschaftliche Betriebe, Männer und Frauen, sowie verschiedene Einkommensgruppen. Das angewandte rigorose Evaluationsdesign (randomisierte kontrollierte Studie) wird zeigen, welche Versicherungslösung für bedürftige Klienten in Pakistan am besten anwendbar ist und somit die Entwicklung von maßgeschneiderten und zielgruppenorientierten Lösungen ermöglichen.